Behinderung im Alter und das Recht auf selbstbestimmte Teilhabe

Ein älterer Herr mit Down-Syndrom in seiner Wohnküche

Die Behinderten- und Altenhilfe müssen gemeinsame Konzepte entwickeln, um Menschen mit einer lebenslangen Behinderung im Alter zu begleiten. Caritaspräsident Prälat Dr. Peter Neher hat seine Vorstellungen in folgendem Beitrag skizziert:

Behinderung im Alter (PDF zum Herunterladen mit 3 MB)

 
Tafelangebote unter dem Aspekt der selbstbestimmten Teilhabe

Das  Eckpunktepapier des Deutschen Caritasverbandes zu existenzunterstützenden Dienstleistungen in Form von Tafelläden fordert zusätzliche Unterstützungsangebote. Denn um Armut zu bekämpfen, genügt allein die Verteilung günstiger Lebensmittel nicht. Erforderlich ist die Übernahme der Verantwortung, für Bedingungen einzutreten, die den Befähigungsgedanken in den Mittelpunkt stellen und den Anspruch des Sozialgesetzbuches auf selbstbestimmte Teilhabe unterstützen.

In der Kurzfassung sind die wichtigsten Forderungen zusammengefasst:

Eckpunkte des Deutschen Caritasverbandes (PDF- 35 kB) 

 
Die Kirchen und das neue Selbstverständnis von Menschen mit Behinderung

Welche Rolle spielt inzwischen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen? Inwiefern sind diese Rechte im Blick der Kirche, nachdem die Deutschen Bischöfe 2003 die Erklärung ,,Unbehindert Leben und Glauben teilen" veröffentlicht haben? Ist es wirklich schon normal, verschieden zu sein?
Simone Bell d'Avis, Leiterin der Arbeitsstelle Pastoral für Menschen mit Behinderung der Deutschen Bischofskonferenz, hat in einem Beitrag die sich ergebenden Einstellungs- und Verhaltensänderungen skizziert: Behinderung im pastoralen Verständnis HERDER KORRESPONDENZ (4MB)

 
Teilhabe für alle Kinder

Die Möglichkeit der Teilhabe von Kindern am gesellschaftlichen Leben entscheidet sich nicht nur an der materiellen Ausstattung, sondern bemisst sich auch an Gelegenheiten zur sozialen und kulturellen Teilhabe. Anderseits entwickeln Kinder ihre sozialen und kulturellen Fähigkeiten in Abhängigkeit von der ökonomischen Lage ihres Elternhauses. So verfügen Kinder aus
armen Familien über weitaus weniger Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten, z.B. in Vereinen, außerschulischen Bildungsangeboten und kindgerechten Informationsmöglichkeiten.
Deshalb fordert die Caritas ein flächendeckendes Angebot von Betreuungs-, Bildungs- und kulturellen sowie sportlichen Angeboten. Darüber hinaus hält es der Deutsche Caritasverband für erforderlich, dass Bund, Länder und Kommunen befähigende Sachleistungen kostenfrei für Kinder aus einkommensschwachen Familien bereitstellen. Hier finden Sie Vorschläge für die Umsetzung eines solchen Sachleistungsanspruchs:

Einführung von befähigenden Sachleistungen für
Kinder aus Familien im SGB II-Bezug
als PDF- mit 70 kB zum Herunterladen.

 
Europäisches Jahr 2010

Im Rahmen des "Europäischen Jahr 2010 gegen Armut und sozialer Ausgreunzug" beteiligt sich die Teilhabeinitiative mit verschiedenen Beiträgen und Aktionen.

Logo Europäisches Jahr 2010

 

 

 

 

Positionspapier zum Herunterladen (PDF-Datei, 50 kilo Byte).

 
"Teilhabe im Alter"

Die sozialpolitische Positionierung des Deutschen Caritasverbandes zur selbstbestimmten Teilhabe von Menschen im Alter finden Sie hier: Caritaspositionen zur Teilhabe im Alter  (PDF-Datei, 140 kilo Byte).

 
Buchtipps Sozialethik

Kostka, Ulrike; Riedl, Anna Maria: Ethisch entscheiden im Team. Ein Leitfaden für soziale Einrichtungen.

Abbildung des Buches Ethisch

 

 

 

 

 

 

Mehr dazu finden Sie unter dem Menüpunkt: Literatur

 
Wertefundament von Teilhabe - Grundlagentexte  

Schwerpunktthema 2011: Inklusion

Der Deutsche Caritasverband hat detaillierte sozialpolitische Positionen und Forderungen entwickelt, um auf einen Abbau der bestehenden vielfältigen Barrieren zu drängen, die einer vollumfänglichen Teilhabe der Menschen mit Behinderung entgegenstehen. Bitte laden Sie hier die Sozialpolitischen Positionen zur Caritaskampagne 2011 herunter (PDF-Datei, 150 kilo Byte).

Bitte laden Sie hier das Statement von Caritaspräsident Prälat Peter Neher herunter   (PDF-Datei, 35 kilo Byte), das er anlässlich einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Caritaskampagne 2011 am 11. Januar in Berlin hielt.
Im laufenden Jahr stehen Menschen mit Behinderung im Fokus, doch auch anderen Zielgruppen gilt weiterhin die Aufmerksamkeit der Teilhabeinitiative der Caritas (2009–2011). Im Folgenden finden Sie dementsprechend weitere Grundlagentexte, die in ihrer Gesamtheit abbilden, worum es im Kern geht: Den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken.

Teilhabe: Top-Thema des guten Zusammenlebens

Selbstbestimmung, Teilhabe, Würde, Gerechtigkeit: starke Begriffe, die eng miteinander verbunden sind. Bitte laden Sie hier einen Beitrag herunter (PDF-Datei, 270 Kilo Byte), der das Anliegen der Teilhabeinitiative aus seinem Wertefundament heraus begründet. 

Auf einem formalen Schild "Bitte beachten Sie:" wurde handschriftlich "mich" notiert. Foto: Klemens BögnerDeutlich wird: Jeder Mensch, ob arm oder reich, krank oder gesund oder in welcher Lage auch immer – jeder Mensch hat ein Recht auf Anerkennung und auf Teilhabe am Leben der Gesellschaft.

Der Fachbeitrag von Prof. Gerhard Kruip, zeigt den Menschen im Spannungsfeld zwischen persönlicher Autonomie und der Selbstbestimmung. Jede(r) Einzelne ist zur eigenen Entfaltung stets auch auf andere Menschen und auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen angewiesen.  

PDF-Dokument zum Herunterladen: Selbstbestimmte Teilhabe (PDF-Format, 90 Kilo Byte)
PDF zum Herunterladen von Herrn Prof Gerhard Kruip
 

Teilhabe benachteiligter junger Menschen am Bildungs- und Ausbildungssystem

Die jungen Arbeitslosen von heute sind die Langzeitarbeitslosen von morgen. Dass so viele junge Menschen nicht an Bildung/Ausbildung und Erwerbsarbeit teilhaben können, ist gesellschaftlich nicht hinnehmbar. Die Folgekosten jetzt nicht erfolgender Integrationsmaßnahmen wären zudem immens, so dass der Deutsche Caritasverband (DCV) hier dringend politischen Handlungsbedarf sieht. Der DCV hat vor diesem Hintergrund konkrete Vorschläge für bessere Intergrationschancen benachteiligter junger Menschen erarbeitet. Die Empfehlungen sind das Ergebnis der Praxiserfahrung unserer Einrichtungen und  Dienste in der Jungendsozialarbeit und begleitenden Forschung.

Hier können Sie die Position herunterladen: Position (50 kB)


Sozialpolitische Positionierung zur Kampagne 2010 „Selbstbestimmte Teilhabe von Menschen im Alter"

Selbstbestimmte Teilhabe und das Altersbild unserer Gesellschaft

Auch heute noch wird in der Öffentlichkeit mit dem Begriff „demographischer Wandel“ eine einseitige Debatte über die sozialen Sicherungssysteme geführt und damit unzulässig verkürzt. Das Bild des Alters ist dringend zu erneuern. Alt sein bedeutet schon länger nicht mehr in erster Linie unterstützungs- und pflegebedürftig zu sein. Ein grundlegendes Ziel einer Altenpolitik auch des Deutschen Caritasverbandes ist es, die positiven Möglichkeiten der älteren Generation in den Vordergrund zu stellen. Ältere Menschen sind auch in der letzten Lebensphase Experten für vielfältige Lebenssituationen, einschließlich besonders kritischer Lebensereignisse. Ihr Erfahrungsreichtum ist ein Schatz und kein demographisches Problem für unsere Gesellschaft.

Im Gegensatz zu den defizitorientierten Altersbildern, die es in unserer Gesellschaft noch immer gibt, stellen heute die offiziellen Beschreibungen der Lebenslagen älterer Menschen besonders ihre Potenziale in den Mittelpunkt. Ältere Menschen sind danach für die Gesellschaft mit ihrer steigende Lebenserfahrung und ihrer Wissensvielfalt ein Gewinn. Für das Zusammenleben der Generationen in unserer Gesellschaft ist die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement der älteren Menschen ein unverzichtbarer Faktor.

Für die Anerkennung und Nutzung solcher Potenziale sind milieuangepasste Formen der Partizipation erforderlich, die das mögliche und vorhandene Engagement fördern. Viele Ältere wünschen sich, in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden. Das neue Altersbild muss also seine Entsprechung haben in Beteiligungsmodellen auf allen Ebenen der Gesellschaft. Die kulturelle Vielfalt der Sichtweisen auf das Alter der Menschen mit Migrationshintergrund ist dabei besonders zu berücksichtigen.

Die positive Veränderung der Altersbilder darf aber nicht verdecken, dass das Alter auch mit Autonomieverlust, Abnahme der Mobilität, Einschränkungen der Teilhabemöglichkeiten und Abhängigkeit von der Unterstützung anderen Menschen verbunden sein kann und dass die Wahrscheinlichkeit dieser Einschränkungen und Funktionsverluste ab dem 80. Lebensjahr stark zunimmt. Zur Lebenssituation älterer Menschen besonders in der so genannten vierten Lebensphase gehört auch die Pflegebedürftigkeit. Die neueste Pflegestatistik verzeichnet am 31.12. 2007 2,25 Millionen Leistungsempfänger der Pflegeversicherung (ambulant und stationär). Davon werden rund 1,54 Millionen Menschen ambulant und rund 0,71 Millionen Menschen stationär versorgt.

Besonders bemerkenswert ist noch immer, dass der größte „Pflege- und Unterstützungsdienst“ unserer Gesellschaft die Angehörigen der unterstützungs- und pflegebedürftigen Menschen sind. Alle Untersuchungen der vergangenen Jahre habe eine hohe Pflegebereitschaft der Angehörigen festgestellt. Damit schließt sich der Kreis zu den Potenzialen der älteren Generation. Denn es sind mehrheitlich die Menschen in der so genannten dritten Lebensphase, die diesen Dienst an ihren Angehörigen übernehmen.

Um den veränderten Gegebenheiten und den dadurch entstandenen neuen Bedarfslagen gerecht zu werden, sind auch Veränderung der Rahmenbedingungen notwendig, die in den sozialpolitischen Positionen beschrieben und mit Lösungsvorschlägen versehen sind.

Zusammenfassung:

  • Selbstbestimmte Teilhabe gilt für alle Menschen und bedeutet, dass jeder Mensch das Recht hat, an den politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Prozessen einer Gesellschaft teilzunehmen und diese mitzugestalten und mitzubestimmen.
  • Das Altersbild in unserer Gesellschaft darf nicht von den Problemen der sozialen Sicherungssysteme dominiert werden. Ältere Menschen sind auch in der letzten Lebensphase Experten für vielfältige Lebenssituationen, einschließlich besonders kritischer Lebensereignisse.
  • Die Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und das Selbsthilfepotenzial ist zu fördern und durch geeignete Infrastruktur zu ermöglichen. So wird das bürgerschaftliche Engagement der älteren Menschen gefördert und hilft, den Zusammenhalt der Ge-nerationen zu unterstützen. Auch alte Menschen mit hohem Unterstützungs- und Pflegebedarf bleiben oder werden zu anerkannten Bürger(innen) ihres Gemeinwesens.
  • Alte Menschen können bis zu ihrem Lebensende in ihren eigenen vier Wänden bleiben oder sich für andere Wohnformen – auch für ein Wohnen im Pflegeheim – entscheiden. Damit ein selbstbestimmtes und teilhabeunterstütztes Leben ermöglicht wird, sind die schon vorhandenen und erprobten Ideen und Modelle nachhaltig und flächendeckend umzusetzen.
  • Für die Verwirklichung selbstbestimmter Teilhabe sind die Informationsmöglichkeiten und die Beratung für ältere Menschen nicht alltagsnah genug. Gemeinwesenorientierte und kultursensible Konzepte der Beratung sind vorhanden; sie müssen verwirklicht werden.
  • Noch scheint Altersarmut ein Randphänomen unserer Gesellschaft zu sein. Bei genauerem Hinsehen werden Vereinsamung und Ausgrenzung erkennbar.
  • So wie es bekanntlich verdeckte Armut in unserer Gesellschaft gibt, die nur bei ganz genauem Hinsehen zu erkennen ist, so gibt es Barrieren im Gesundheitswesen, die in einem reichen Industrieland leicht übersehen werden. Der Blick in die Wohnquartiere und Milieus, in denen ältere Menschen leben, deckt deren Lebenslagen, Probleme und Schwierigkeiten auf und öffnet die Zugangswege zu ihnen.
  • Um die selbstbestimmte Teilhabe von unterstützungs- und pflegebedürftigen Menschen im Alter zu ermöglichen, brauchen sie eine gute Unterstützung und Pflege. Dafür werden Mitarbeiter(innen) im beruflichen sowie im nicht-beruflichen Hilfesystem gebraucht, die die dazu erforderlichen Kompetenzen haben. Das System der beruflichen Bildung muss auf die Einbeziehung des Gemeinwesens und die kulturelle Vielfalt vorbereiten.
  • Damit sterbende Menschen bis zuletzt in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können, müssen die vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten unverzüglich umgesetzt werden.
  • Pflegende Angehörige übernehmen in unserer Gesellschaft den größten Anteil der erforderlichen Unterstützung und Pflege. Die dazu passende Mitsprache und Vertretung ihrer Interessen kann durch einen umfassenden Dialog verbessert werden.
  • Die soziale und finanzielle Absicherung der Angehörigen, die unterstützungs- und pflegebedürftige sowie sterbende Menschen unterstützen, ist ein Gebot der Gerechtigkeit und Solidarität. Möglich wären eine Veränderung der Leistungssätze der Pflegeversicherung zugunsten der Geldleistungen und ein stärkerer Ausbau des persönlichen Budgets. Eine Alternative oder Ergänzung dazu ist eine steuerfinanzierte Förderung des zeitweisen Ausstiegs aus der Berufstätigkeit analog zu den Leistungen, die für Pflege- und Erziehungszeiten bei Kindern gelten.
  • Bereits derzeit ist eine legale Beschäftigung von mittel- und osteuropäische Haushaltshilfe aus den Beitrittsländern der Europäischen Union zu den Bedingungen einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung möglich. Familien sollten solche Haushaltshilfe ohne Angst vor Sanktion einstellen können. Ebenso sollte ihnen kein kompliziertes, kaum zu durchschauendes Antragsverfahren zugemutet werden.
  • Ältere Menschen sind in der Mehrheit bereit, sich solidarisch für das Gemeinwesen zu engagieren und für das Zusammenwirken der Generationen einen solidarischen Beitrag zu leisten. Alle Ebenen des Staates und der Gesellschaft (Bund, Länder und kommunale Spitzenorganisationen, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Seniorenorganisationen) sind aufgerufen, sich für ein Leitbild des aktiven Alters und für eine stärkere Beteiligung älterer Frauen und Männer einzusetzen.
  • Die demographische Entwicklung benötigt eine innovative Anpassung der finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen.

Die ausführliche Stellungnahme mit Situationsdarstellungen, Bewertungen und Lösungsvorschlägen können Sie hier downloaden:

Sozialpolitische Positionierung zur Kampagne 2010 „Selbstbestimmte Teilhabe von Menschen im Alter“ (PDF zum Herunterladen mit 138 kB)