Selbstbestimmung im Alter

Übersicht

Selbstbestimmtes Wohnen und Teilhabe im Alter

Internet als Tor zur Welt und zur eigenen Lebensgeschichte

Die Suche nach einem Platz in einem Altenheim wirft häufig Fragen auf

Alter und Migration

Selbstbestimmte Teilhabe für Seniorinnen und Senioren

Ehrenamtliche Alltagsbegleitung

Zusätzliche Betreuungskräfte im Altenheim

Mitbestimmung auch für pflegende Angehörige

Caritas fördert die Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger

Männerspezifisches Angebot im Seniorenheim

Teilhabe durch Besuchsdienste

Selbstbestimmtes Wohnen und Teilhabe im Alter

Buch und aktuelle Tagungsdokumentation zu vielfältigen Wohnformen

Wie wollen Menschen im Alter wohnen? Welche Angebote braucht es dafür, und welche Beispiele gibt es bereits?

Das Buch „Eckpunkte und Praxisbeispiele zu vielfältigen Wohnformen für das Alter“ beschreibt Anforderungen an die zukünftige Ausgestaltung von Altenhilfe-Strukturen. Inhaltliche Schwerpunkte sind ein Überblick über verschiedene neue Wohnformen und die Darstellung von 16 innovativen Praxisbeispielen. Eine Synopse zu verschiedenen Arbeitshilfen zum Aufbau ambulant betreuter Wohngemeinschaften bietet eine schnelle Orientierung, ebenso wie eine ausführliche Literatur- und Linkliste. Im Buchrücken findet sich eine CD mit allen Inhalten und erläuternden Anlagen.

Am 24.-25. März 2011 fand in Berlin eine Fachtagung zu dieser Thematik statt, auf der auch die in dem Buch dargestellten Beispiele vorgestellt wurden. Die Beiträge von Fachleuten aus Theorie und Praxis waren zukunftsweisend und facettenreich: So zeigt das „Demografieprojekt Havelland“ auf innovative Weise, wie auch in ländlichen Regionen den älteren Mitbürger(inne)n Zugänge zu selbstbestimmter Mobilität und einem unterstützenden Wohnumfeld zur Verfügung gestellt werden können.
Als städtisches Gegenstück hierzu stellte sich auf der Tagung das „Bielefelder Modell“ vor. Hier wird ein ganzer Stadtteil konsequent gemäß den heutigen und den absehbaren Bedürfnissen älterer Menschen umgestaltet: Dazu zählen neben vielen infrastrukturellen Hilfen auch ganz besonders die Möglichkeiten zur selbstbestimmten Begegnung mit Jüngeren. Oder: Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe zeigte auf, wie sich durch Sozialraum- und Beteiligungsorientierung viele Möglichkeiten entdecken lassen, damit auch ältere Menschen mit größerem Unterstützungsbedarf weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung wohnen können. Gerhard Naegele, Gerontologe an der Universität Dortmund, gab weitere Einblicke in den Reichtum der Möglichkeiten einer künftigen Sozial- und Seniorenpolitik, die immer drängender werdenden Herausforderungen proaktiv anzugehen.

Internet als Tor zur Welt – und zur eigenen Lebensgeschichte

Medienunternehmer surfen mit SeniorInnen Das Freiwilligen Zentrum Mönchengladbach bietet Unternehmen Gelegenheit zum freiwilligen Engagement in sozialen Einrichtungen, dem sogenannten Corporate Volunteering. Im Projekt „Internet als Tor zur Welt“ machen drei Unternehmer aus der Branche Medien und Informationstechnologie interessierte BewohnerInnen des Pflegewohnhauses im Caritaszentrum Holt mit den Möglichkeiten des Internet bekannt. Dabei geht es nicht darum, die älteren Menschen direkt an den Computer zu setzen. Denn diesbezüglich besteht nach den Erfahrungen der Sozialdienstleiterin eher Ablehnung. „Warum soll ich mich damit noch beschäftigen?“ hört die Mitarbeiterin oft. Die Idee war daher ein „stellvertretendes Surfen“. Die 15 Bewohnerinnen und Bewohner, die zum Besuch der einstündigen Veranstaltung kamen, erhielten zunächst einige wenige, leicht verständliche Informationen über die Funktionsweise des Internets. Anschließend „besuchten“ sie virtuell Orte, die für sie von Interesse waren. Hierfür nutzten die Referenten einen Beamer, um die Seiten großflächig an die Wand zu projizieren. Einige dieser gewünschten Orte hatte die Sozialdienstleiterin vorab erfragt. Weitere Seiten wurden dann auf Zuruf online besucht. Themen waren zum Beispiel „Caritaseinrichtungen in Mönchengladbach“, „Rheydt wie es früher war“ oder „Ost- und Westpreußen“. Über Kommentare wie „Da kommt meine Mutter her“ oder „Da bin ich zur Schule gegangen“ ergaben sich Gespräche, so dass die BesucherInnen nicht nur Neues über das Netz, sondern auch über ihre Tischnachbarn erfuhren. Das Gruppenangebot wird von den ehrenamtlichen Unternehmern so lange regelmäßig fortgesetzt, wie Interesse besteht. Auch boten die Unternehmer an, einzelne Interessierte, die doch einen Schritt weiter gehen und selber surfen möchten, entsprechend zu begleiten.

Suche nach einem Altenheim-Platz: Wo gibt es verlässliche Informationen zur Qualität?

Als Heimbewohnerin oder Heimbewohner ist es ein zentrales Anliegen, die gewohnte Eigenständigkeit und Privatsphäre zu erhalten. Freundlichkeit, würde- und respektvoller Umgang, Selbstbestimmung und Teilhabe sind nur einige der Aspekte, die die Lebensqualität von Heimbewohnern ausmachen und für die Caritas schon seit Jahrzehnten eintritt und fachlich daran arbeitet, hier herausragende Qualität zu bieten.
In der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsprüfung, die durch den Medizinischen Dienst der Kassen vorgenommen wird, sind Kriterien, die mit Lebensqualität zu tun haben nicht und Kriterien die mit der Ergebnisqualität zu tun haben nur marginal vorhanden. Die BIVA Begutachtung prüft nun genau die aus Verbrauchersicht so zentralen Dimensionen wie Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde. Nach erfolgreicher Begutachtung durch die BIVA-Prüfer/innen erhält die Einrichtung einen grünen Hacken für Verbraucherfreundlichkeit.
Deshalb setzte sich der Verband der Katholischen Altenhilfe (VKAD) gemeinsam mit mehreren Diözesanen Arbeitsgemeinschaften und Landesarbeitsgemeinschaften Altenhilfe, für die Aufnahme der katholischen Altenhilfeeinrichtungen in das bundesweite Heimverzeichnis (BIVA) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein.
135 Einrichtungen sind dem Aufruf bereits gefolgt und so sind die Caritas Einrichtungen im Bereich der Wohlfahrtsverbände führend, was die Zahl der vergebenen grünen Haken betrifft.
Der VKAD sieht diese Begutachtung als gute Ergänzung der Bewertung, die aufgrund der gesetzlich verankerten Pflegetransparenzverordnung (PTV) vergeben wird. Die BIVA Begutachtung wird durch besonders geschulte ehrenamtliche Gutachter/innen vorgenommen.

Alter und Migration

Zum 15. Mal veranstaltete der Deutsche Caritasverband e.V. in Kooperation mit dem Katholisch-Sozialen Institut (KSI) der Erzdiözese Köln vom 08. bis 10. Juni 2010 die Honnefer Migrationstage. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Rahmenbedingungen zur Verwirklichung einer selbstbestimmten Teilhabe älterer Menschen mit Migrationshintergrund gegeben sein müssen und welchen Beitrag die Caritas mit ihren Diensten und Einrichtungen dazu leisten kann.

Selbstbestimmte Teilhabe für Seniorinnen und Senioren

Das Leben alter Menschen wird vielfältiger und bunter: Selbstbestimmte Teilhabe ist auch für diese Lebensphase zum Schlüsselthema geworden, eng verbunden mit der zunehmend wichtigen Frage der Generationengerechtigkeit.

Für die meisten Menschen ist selbstbestimmte Teilhabe im Alter eng mit der Möglichkeit verbunden, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben zu können. Für dieses Ziel braucht es erhebliche Anstrengungen vieler zivilgesellschaftlicher Kräfte. „Wir brauchen eine altersgerechte Infrastruktur und ein barrierefreies Wohnumfeld in den Kommunen”, so Caritas-Präsident Peter Neher auf der Berliner Pressekonferenz am 12. Januar 2010 , bei der die aktuelle Caritaskampagne  „Experten fürs Leben “ vorgestellt wurde. Besser als bisher seien Strukturen zu entwickeln, die alten Menschen auch bei Pflegebedürftigkeit ein Leben in der vertrauten Umgebung ermöglichten. Eine angemessene Versorgung alter Menschen sei auf Dauer nur möglich, wenn die Ressourcen aller Beteiligten gefördert würden und sich jede/r in der Verantwortung sehe. Angesichts veränderter Lebensformen müsse Hilfe zukünftig auch von anderen Personen als den nahen Angehörigen geleistet werden.

Im Rahmen ihrer Initiative für selbstbestimmte Teilhabe setzt sich die Caritas vor diesem Hintergrund für ein wachsendes Angebot neuer Wohnformen für alte Menschen ein. Kriterien der selbstbestimmten Teilhabe pflegebedürftiger alter Menschen sollen in den caritaseigenen Einrichtungen und Diensten der Pflege verstärkt im Blick sein. Und nicht zuletzt sind innovative Ansätze der ehrenamtlichen und freiwilligen Arbeit mit und für Senior/innen gesucht: ein Geben und Nehmen, das die Ressourcen jüngerer mit der Lebenserfahrung älterer Menschen verknüpft und so auch die Teilhabegerechtigkeit zwischen den Generationen fördert.

Zusätzliche Betreuungskräfte im Altenheim

Jetzt sind mehr Angebote für demenziell erkrankte Bewohner/innen möglich. „Schon nach den ersten zwei Wochen haben wir den Erfolg gespürt“, erzählt Isabella Wolny, Pflegedienstleitung im Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Forchheim. „Unsere Bewohner sind ausgeglichener und zufriedener.“ Die Rede ist von der Arbeit der neuen Betreuungskräfte, die sich besonders Senior/innen mit Demenzerkrankung widmen. Für diese Bewohnergruppe können Alten- und Pflegeheime durch das Pflegeerweiterungsgesetz, seit 1. Juli 2008 in Kraft, zusätzliche Betreuungskräfte einstellen. „Diese zusätzlichen Betreuungskräfte sind autark“, betont Isabella Wolny. Ihre Arbeit wird nicht mit der bisher schon geleisteten gerontopsychiatrischen Betreuung vermischt, die es auch weiterhin gibt.
Die zusätzlichen Betreuungskräfte schaffen für die an Demenz erkrankten Senior/innen geeignete Möglichkeiten zur selbstbestimmten Teilhabe: Sie bauen individuelle und zugleich verlässliche Begegnungsstrukturen auf, die vor Vereinsamung bewahren. Gleichzeitig geht es darum, die vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Heimbewohner/innen zu erhalten und zu fördern. Daher wird gemeinsam gekocht, gebacken und gegärtnert. Basteln und Malen, Musizieren und Singen, oder auch gemeinsame Brett- und Kartenspiele wecken Lebensfreude und Erinnerungen. Wichtig ist es, Vertrautes anzubieten. Daher schauen die Betreuungskräfte mit Bewohnern auch immer wieder Fotoalben an.

Mitbestimmung auch für pflegende Angehörige

Teilhabe zeigt sich im Gleichgewicht zwischen solidarischen Pflichten und Rechten. Wer sich für Menschen in unterschiedlichen Bedarfslagen einsetzt – als Angehörige(r), beruflich oder im Ehrenamt – soll in diesem Arbeitsfeld wirksam mitreden können. Denn Engagement bringt viel persönliche Erfahrung, die nicht ungenutzt bleiben darf!

Caritas fördert die Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger

Menschen, die einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, geraten oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Vielerorts gibt es deshalb Projekte mit beruflichen und ehrenamtlichen/freiwilligen Unterstützerinnen und Begleitern, die pflegende Angehörige entlasten.

Allen diesen Pflegenden tut es gut, sich mit Menschen in ähnlicher Situation austauschen zu können. Zugleich teilen sie gemeinsame Interessen und Bedürfnisse, die sie auf unterschiedlichen Ebenen wirksam vertreten wollen. Der Deutsche Caritasverband förderte dies mit seinem Modellprojekt IspAn – Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger, das Ende März 2010 endete.

Laden Sie hier die ausführliche Projektvorstellung mit Kontaktadresse  herunter (PDF-Format, 80 Kilo Byte).

Um die Erfahrungen und Ressourcen pflegender Angehöriger stärker zu beachten und sie zu unterstützen, war es wichtig, im Modellprojekt erst einmal die Wünsche und Interessen der pflegenden Angehörigen zu erfahren. Obwohl diese eine zahlenmäßig immer größere Gruppe bilden, hatten sie bis vor kurzem kaum Gelegenheit, sich dementsprechend Gehör zu verschaffen. Gemäß dem Auftrag, die selbstbestimmte Teilhabe zu fördern, sieht der Deutsche Caritasverband es als seine Aufgabe an, pflegende Angehörige zu ermutigen und zu befähigen, ihre Interessen selbst zu vertreten und ihnen dadurch zu mehr Beteiligung zu verhelfen.

Teilhabe durch Besuchsdienste

Viele ältere Menschen sind mit Einsamkeit konfrontiert, weil ihre Familienangehörigen an anderen Orten wohnen und die nahen Freunde und Bekannten verstorben sind oder in Pflegeheimen umziehen mussten. Mit Besuchsdiensten, die von Caritas, den Caritas Konferenzen und den Maltesern angeboten werden, wird dieser Einsamkeit entgegengewirkt und versucht gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Besuchsdienste geben Tipps, wie die Betroffenen wieder mehr Freude und Lebensqualität im Alltag gewinnen können. Die Ehrenamtlichen zeigen neue Wege auf, um aus dem üblichen Einerlei heraus zu kommen.
Gleichzeitig fördert der Besuchsdienst aber auch die Teilhabemöglichkeiten von vielen Ehrenamtlichen. Besonders Ehrenamtlichen im dritten Lebensalter bietet der Besuchsdienst eine sinnvolle Möglichkeit der Beschäftigung und ebenfalls eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.